Die Volkshochschule Gunzenhausen lädt Sie herzlich zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung am
Donnerstag, 25. Juni 2026
von 8:00 bis 11:00 Uhr
am Marktplatz in Gunzenhausen (vor der Sparkasse)
ein.
Die Veranstaltung steht im Zeichen des derzeitigen Zulassungsstopps für Integrationskurse und seiner Auswirkungen auf Kommunen, Zugewanderte, Unternehmen und die Gesellschaft insgesamt.
Unter dem Motto „Integration findet vor Ort statt“ möchten wir gemeinsam auf die Bedeutung der Integrationskurse als zentrales Instrument gelingender Integration aufmerksam machen. Integration geschieht in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz, in der Schule und im gesellschaftlichen Leben. Die Kommunen tragen dabei die Hauptverantwortung für das Gelingen von Integration und sind auf verlässliche Strukturen der Sprachförderung angewiesen.
Aus kommunaler Sicht ist es entscheidend, dass Zugewanderte möglichst schnell die deutsche Sprache erlernen und qualifizierte Beschäftigung aufnehmen können. Integrationskurse leisten hierzu einen unverzichtbaren Beitrag. Investitionen in Integration zahlen sich langfristig aus – durch gesellschaftlichen Zusammenhalt, politische Teilhabe sowie berufliche, soziale und familiäre Stabilität. Scheitert Integration, sind die Kommunen unmittelbar mit den Folgen konfrontiert.
Das Programm der Veranstaltung umfasst:
- eine öffentliche Deutschstunde mit Teilnehmenden der Integrationskurse,
- Redebeiträge der Volkshochschule Gunzenhausen,
- Redebeiträge der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW),
- Informationen und Hintergründe zur aktuellen Situation der Integrationskurse,
- Gespräche und Austausch mit Betroffenen, Akteuren und Interessierten.
Wir begrüßen außerdem den Ersten Bürgermeister der Stadt Gunzenhausen, Matthias Hörr, der die Veranstaltung begleiten wird.
Der Bayerische Rundfunk hat seine Teilnahme angekündigt und wird vor Ort Interviews führen. Geplant sind Berichterstattungen auf Bayern 1 und Bayern 2. Darüber hinaus wurden Radio 8, SAT.1 Bayern, regionale Tageszeitungen, ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Integrationskursen, Vertreterinnen und Vertreter der IHK, lokale Unternehmen sowie politische Akteure eingeladen.
Die teilweise Aufhebung des Zulassungsstopps bewerten wir als wichtigen Teilerfolg. Für viele zuvor ausgeschlossene Personen wurde der Zugang zu Integrationskursen wieder ermöglicht. Dennoch bleibt die Finanzierung der Integrationskurse Gegenstand der aktuellen Haushaltsberatungen auf Bundesebene. Die kommenden Haushaltswochen im Deutschen Bundestag werden entscheidend dafür sein, ob ausreichende Mittel für die Integrationsförderung bereitgestellt werden. Deshalb ist es weiterhin wichtig, die Bedeutung der Integrationskurse öffentlich sichtbar zu machen und den politischen Dialog aktiv zu begleiten.
Wir freuen uns über Ihre Teilnahme und Ihre Unterstützung für eine gelingende Integration vor Ort.
Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Das Frankenfernsehn war am 26.02.2026 zu Gast, um über unsere Integrationskurse und die aktuelle Lage zu berichten.
Jetzt unterstützen und die Petitionen gegen den Zulassungsstop des BAMF unterzeichnen:
Hilfe für Betroffene
Betroffene können sich auf kommunaler Ebene an ihr Jobcenter oder die Ausländerbehörde wenden. Dort kann auch weiterhin eine Berechtigung bzw. Verpflichtung ausgestellt werden.
Informationen und Positionspapiere zur Lage:
Pressemitteilung Deutscher Volkshochschulverband
Integrationskurse sind essenziell für Gesellschaft und Wirtschaft
Deutschkenntnisse sind entscheidend dafür, dass zugewanderte Menschen in Deutschland selbst ihren Lebensunterhalt verdienen können. Das sehen nicht nur Arbeitsmarktexpert*innen so, sondern auch viele Zugewanderte selbst, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus. Ukrainer*innen, die vor Russlands Angriffskrieg geflüchtet und häufig gut ausgebildet sind, Asylsuchende im Verfahren oder Geduldete: Mit ausreichenden Deutschkenntnissen hätten zahlreiche Menschen beste Aussichten, offene Stellen in deutschen Unternehmen, in der Gesundheitsversorgung oder in sozialen Einrichtungen zu besetzen. Bisher konnten sie in den vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanzierten Kursen Deutsch lernen – aus freien Stücken, denn eine Verpflichtung dazu besteht für diese Gruppen nicht. Das ist nun vorbei: Anträge Freiwilliger auf Teilnahme an den Kursen werden nicht mehr bewilligt. Als Begründung werden Sparzwänge angeführt.
Aus Sicht des Deutschen Volkshochschul-Verbands ist der Ausschluss geschätzter 130.000 Menschen vom Integrationskurs kurzsichtig und kontraproduktiv: „Menschen, die sich in die Gesellschaft integrieren und arbeiten wollen, wird signalisiert, dass dies unerwünscht sei“, kommentiert DVV-Verbandsdirektorin Julia von Westerholt. „Das widerspricht der bisherigen Strategie, Zugewanderte zügig in Existenz sichernde Arbeit zu bringen, und entbehrt angesichts des prognostizierten Mangels an über sieben Millionen Fachkräften bis 2035 jeder wirtschaftlichen Vernunft.“
Seit Anfang Februar ist es offiziell: Das Bundesinnenministerium verweigert in diesem Jahr rund 130.000 Zugewanderten, die Deutsch lernen wollen, den Zugang zum Integrationskurs. Teilnehmen dürfen künftig nur noch Personen, die dazu vom Jobcenter oder anderen Behörden verpflichtet werden. Freiwillige, die mit guten Deutschkenntnissen in den Arbeitsmarkt einsteigen und von Sozialleistungen unabhängig werden wollen, fallen unter die Blockade. Selbstzahlerkurse, auf die das Ministerium verweist, helfen ihnen in der Regel nicht: Erst der Spracherwerb schafft ja die Voraussetzungen dafür, ausreichend eigene Einkünfte zu erzielen und Bildungsleistungen aus eigener Tasche bezahlen zu können.
Die Folgen der mit Sparzwängen begründeten Maßnahme sind fatal: für die Betroffenen, für Betriebe, die dringend Arbeits- und Fachkräfte suchen, und auch für die Volkshochschulen. Der DVV schätzt, dass Freiwillige 55 Prozent der Teilnehmer*innen an Integrationskursen ausmachen. Ohne sie können vhs keine neuen Kurse einrichten, weil die seitens des zuständigen Bundesamts vorgegebene Mindestteilnehmerzahl nicht mehr erreicht werden kann. Dadurch haben künftig auch viele zur Teilnahme Verpflichtete keine Chance mehr auf einen Platz im Kurs.
Die kurzsichtige Sparaktion des Ministeriums wird sich auch langfristig auswirken: Die vhs können wertvollen Lehrkräften keine Perspektive mehr bieten und werden finanziell geschädigt - und damit auch die ohnehin stark belasteten Kommunen. Real geholfen ist den Städten und Gemeinden, wenn Zugewanderte schnell in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse gelangen. Ohne solide Deutschkenntnisse ist das kaum zu schaffen.
Volkshochschulen sind seit über 20 Jahren verlässlicher und professioneller Partner des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Energisch und effizient unterstützen sie die Integrationsbemühungen des Bundesinnenministeriums, gerade auch in Krisensituationen. Nun gibt das Ministerium zum wiederholten Male erst auf Druck der Medien überhaupt Informationen preis über eine Maßnahme, die uns die Planungssicherheit nimmt und unsere Kapazitäten beschneidet. Das BMI demontiert die Strukturen, auf die es baut.
Fachminister*innen der Länder wollen Ende der Kursblockade
23.04.2026
Integrationsministerkonferenz schließt sich DVV-Forderungen an
Berlin. Die für Integration zuständigen Ressortchef*innen der Bundesländer haben in ihrer
Integrationsministerkonferenz fast einstimmig Stellung für die zugewanderten Menschen, die deutschen Unternehmen und die Bildungseinrichtungen bezogen. Wie vom DVV gefordert, verlangen sie, dass Bundesinnenminister Dobrindt den Ausschluss freiwilliger Teilnehmer*innen vom Integrationskurs sofort zurückzunimmt.
Im Februar hatte das Innenministerium in Berlin die Integrationskurse von einem Tag auf den anderen für alle geschlossen, die nicht zur Teilnahme verpflichtet sind, sondern freiwillig Deutsch lernen. Betroffen sind Geflüchtete aus der Ukraine, Asylsuchende und Geduldete und EU-Bürger*innen. Die Maßnahme löste eine Protestwelle aus. Vertreter*innen von Wirtschaft, Wissenschaft, Bildungsträgern und Zivilgesellschaft warnen eindringlich vor den Folgen: Menschen, die lernen und arbeiten wollen, werden zu frustrierender Untätigkeit verurteilt. Wertvollen Fachkräften bleiben die notwendigen Sprachkenntnisse für den Einsatz in Unternehmen vorenthalten. Bildungsträger werden finanziell geschädigt, das seit zwanzig Jahren erfolgreiche und weltweit anerkannte System der sprachlichen Integration wird demontiert.
Klares Votum der Fachpolitiker*innen
Auch Politiker*innen, die mit Fragen der Integration Zugewanderter vertraut sind (oder einfach die Nöte der Betriebe in Deutschland ernst nehmen), verlangen, dass der Innenminister seine Hau-Ruck-Aktion rückgängig macht. Jetzt hat die Konferenz der für Integration verantwortlichen Landesminister*innen und Senator*innen unmissverständlich klargemacht, wie sie die Maßnahme des Kollegen im Bund einschätzt. Sie wendet sich dagegen, Sprachförderung nur bestimmten Gruppen von Zugewanderten vorzubehalten: Deutschkenntnisse seien Grundlage für jede Integration, unabhängig vom Aufenthaltszweck. Anstelle der rabiaten Demontage des Gesamtprogramms Sprache fordert die Integrationsministerkonferenz eine durchdachte Reform: nicht weniger Sprachförderung, sondern noch bessere.
Mehr Stringenz, passende Format und leichter Zugang
Die Forderungen der Integrationsministerkonferenz entsprechen in nahezu jeder Hinsicht denen des DVV und der Volkshochschulen. Der Bund, so die Landesminister*innen und Senator*innen, müsse für das Gesamtprogramm Sprache ausreichend Mittel zur Verfügung stellen: Die Ansätze für 2026 seien gegenüber den vorherigen Jahren geringer und insgesamt zu knapp kalkuliert. Die Ressortchef*innen verlangen Kostenfreiheit für die Teilnehmenden in allen bundesgeförderten Sprachkursen bis mindestens Niveau B2. Integrationskurse und berufsbezogene Deutschsprachförderung im Gesamtprogramm Sprache sollen besser verzahnt und am Bedarf der Teilnehmenden orientiert angeboten werden. Berufssprachkurse auf den Niveaustufen A2, B1/B2 und C1/C2 müssen in ausreichendem Umfang finanziert werden, die Kontingentierung auf ausschließlich Angebote mit Zielniveau B2 soll wegfallen. Darüber hinaus verlangen die Fachminister*innen die Wiedereinführung der speziellen Integrationskurse für Frauen, Eltern und Jugendliche.
Sicherheit für Bildungsträger und Lehrkräfte
Gute Deutschförderung gibt es in den Augen der Landespolitiker*innen nur, wenn die Anbieter der Sprachkurse solide wirtschaften können. Höhere und dynamische Erstattungssätze müssten den steigenden Kosten, die Bildungsträger zu schultern haben, Rechnung tragen, stellt die Ministerkonferenz fest. Bürokratie muss abgebaut, Bildungseinrichtungen und Lehrkräften mehr Flexibilität eingeräumt werden. Lehrtätigkeit, auch die selbständige, muss für alle Seiten rechtssicher sein.
„Der Bundesinnenminister sollte auf die Empfehlungen seiner Länderkolleg*innen hören“, sagt DVV-Verbandsdirektorin Julia von Westerholt. „Wir brauchen keine zentralistischen Alleingänge, sondern eine ideologiefreie Diskussion über Verbesserungen im Gesamtprogramm Sprache mit allen Beteiligten. Wer Menschen und Wirtschaft im Blick hat, lässt sich darauf ein.“
